Klima-Karawane

waldDer Regenwald im Kongobecken ist nach dem Amazonas der zweitgrösste zusammenhängende Urwald der Welt. Der Biodiversitätshotspot ist jedoch bedroht von, oftmals illegalen, Waldrodungen für den Exportmarkt. Die Menschen sind auf ihren Lebensraum für kleinbäuerliche Land- und Forstwirtschaft, Brennholz oder Heilpflanzen angewiesen. Die ländliche Bevölkerung lebt im Wald in abgelegenen Dörfern mit wenig Ein­kommen und Infrastruktur. Es fehlt oftmals an Zugang zu Energie-, Trinkwasser- und Gesundheitsversorgung, an Ausbildungs­möglichkeiten oder an Marktzugang für die landwirtschaftliche Produktion.

Ziele

  • Wald- und Klimaschutz durch die Verbreitung von Solarenergie und Energieeffizienz für eine schonende Nut­zung der Ressourcen.
  • Verbesserung der Lebensbedingungen durch Unterstützung in der Selbstorganisation für eine nachhaltige Entwicklung.

Projektgebiete

  • Seit 2011 ist die Klima-Karawane in 15 Dörfern in den bewaldeten Einzugsgebieten der Flüsse Dja und Nyong in Zentral – und OstKamerun aktiv.
  • 2013 wurde das Projekt auf die Region Mengang mit 24 Dörfern in Zentralkamerun aus­geweitet.

Ansatz und Vorgehen

Die Klima-Karawane will eine nachhaltige und selbstbestimmte Entwicklung in den Dorfgemeinschaften fördern. Dafür werden die ökologische, soziale und wirtschaftliche Dimension der Nachhaltigkeit in drei Projektphasen unter­teilt. In der Vorbereitung werden durch Haushaltsbefragungen und Dorfversammlungen die Möglichkeiten und Be­dürfnisse der Dorf­gemeinschaft erfasst und die spezifischen Aktivitäten gemeinsam definiert.

  • Vorbereitung: Ethnologische Haushaltsbefragungen, Dorf­versammlungen, Ausbildungen in Dorfentwicklung
  • Phase 1: Erneuerbare Energie (Ausbildung von Solar­techniker/innen, Installationen von Solaranlagen), 2011-2013
  • Phase 2: Trinkwasser und Gesundheit (solarbetriebene Trinkwasser­anlagen, raucharmes und energie­effizientes Kochen, Solar-Kühlschränke für Gesundheitszentren), 2014/2015
  • Nachhaltige Land- und Forstwirtschaft (nachhaltiger Anbau, Markt­zugang), ab 2016

Im Zentrum der Klima-Karawane stehen nicht nur die Partizipation und der Einbezug aller Bevölkerungsschichten, sondern auch die Ausbildung von jungen Dorfbewohner/innen beispielsweise in Dorfentwicklung oder Solartechnik. Für die Dorfentwicklung arbeitet die Klima-Karawane mit der sogenannten psycho-sozio-kulturellen Methodologie für Organisation und Entwicklung, die vom brasilianischen Ethnologen Guillerme Dos Santos Barboza im Amazonasgebiet entwickelt und in das Kongogebiet transferiert wurde. Das Video zeigt die Grundsätze der Methodologie und gibt einen Einblick in die Arbeit des Teams der Klima-Karawane in den Dörfern.

Resultate

2013 wurde die erste Projektphase Erneuerbare Energie in den 15 Pilotdörfern erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurden rund 550 Solaranlagen installiert, 800 portable Solarlampen verkauft und 60 Personen in Dorfentwicklung und Solartechnik geschult.

Aktuell

2014 hat die zweite Phase TrKlima Karawane 1 webinkwasser und Gesundheit in den Pilotdörfern begonnen. Mit präven­tiven Massnahmen soll die Gesundheit der Dorfbewohner/innen verbessert werden. Das Hauptbedürfnis der Be­völkerung ist der Zugang zu sauberem Trinkwasser. Geplant sind solarbetriebene Trinkwasseranlagen, Trinkwasser­aufbereitung, raucharme und energieeffiziente Kochstellen sowie die Inbetriebnahme von Solar-Kühlschränken (SolarChills) für Medikamente und Impfstoffe in Gesundheitszentren. Im Projektgebiet Mengang steht 2015 die Umsetzung der Phase Erneuerbare Energie in 24 Dörfern an.

 

Entstehung

Die Klima-Karawane entstand als Waldschutzprojekt, als sich Greenpeace und kamerunische Organisationen an der Klima-Konferenz 2009 in Kopenhagen trafen. Erste Pilotaktivitäten fanden 2010 im Norden Kameruns und im Regen­wald der Demokratischen Republik Kongo statt. 2011 wurden 15 Dörfer im kamerunischen Regenwald aus­gewählt und die Klima-Karawane von einem Greenpeace Mitarbeiter aufgebaut. Solafrica als Spinn-off von Green­peace, kam 2013 als Partner dazu. Ende 2014 wird Greenpeace von der Klima-Karawane in Kamerun zurückziehen, um die Idee und Erfahrung in anderen Teilen der Welt zu verbreiten. Die operative Führung der Klima-Karawane hat die lokale Organisation Association Jeunesse Verte du Cameroun (AJVC). Bereits seit 2013 hat die Kamerunerin Aline Kana Fomekong die Koordination übernommen. Solafrica ist mit ihr in engem Kontakt.

 

Partner

Association Jeunesse Verte du Cameroun (AJVC): AJVC ist eine Organisation junger Kameruner/innen, die sich seit über zehn Jahren für eine nachhaltige Entwicklung Kameruns einsetzt.

Association pour la Création Centre Enfant et Développement Communautaire (ACCEN-DC): ACCEN-DC ist eine lokale Gesundheitsorganisation für den ländlichen Raum, mit Fokus auf AIDS-Prävention und Kinder- bzw. Familien­hilfe.

Centro Afro-Brasileiro de Estudos e Pesquisas Culturais (CABEPEC): CABEPEC ist eine Organisation für angewandte ethnologische Forschung aus Brasilien und hat langjährige Erfahrung mit Dorforganisation- und Entwicklung im Amazonas­regenwald. Direktor ist der Ethnologe Guillerme Dos Santos Barboza

Greenpeace Schweiz: Greenpeace ist eine unabhängige, internationale Umweltorganisation, die sich seit 1971 welt­weit für eine ökologische, soziale und gerechte Gegenwart und Zukunft einsetzt.